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TIPPS ZUM MASTTRIMM (von Anna & Reinhard, Eigner der HR34 und Hanse291)
Viele Segler, die bisher mit hochgetakelten Schiffen unterwegs waren (Mast steht kerzengrade und lässt sich nicht trimmen), haben uns schon gefragt, wie man die Vorteile eines trimmbaren Ricks nutzt.
Wir sind keine Trimm-Apostel. Seitdem wir Schiffe mit trimmbaren Ricks haben, befassen wir uns ein wenig damit.
Wir wollen niemanden belehren, sondern Neulingen am trimmbaren Rick eine kleine Hilfestellung geben. Wer mehr wissen will: Es gibt auch schlaue, dicke Bücher darüber.
Unsere Schiffe sind ausgerüstet mit einem so genannten „9/10tel-Rick“ (HR34) bzw. „7/8tel-Rick (Hanse291). Das Vorstag greift unter dem Masttop an. Mit dem Achterstag, welches ein Stück darüber angreift, trimmt man den Mast nach achtern.
Wenn man ein Rick trimmen kann, sollte man es auch tun, weil es sich wesentlich auf die Segeleigenschaften, den Spaß und auch auf die Sicherheit auswirken kann.
Was passiert?
Je größer die Mastbiegung nach achtern, um so mehr flacht man das Groß ab, und umso mehr öffnet man das Achterliek. Wenn man also auf Am-Wind-Kursen segelt, kann man mehr Tuch stehen lassen ohne dass die Krängung zunimmt — oder umgekehrt: Man kann etwas später reffen und somit vorübergehende Böen austrimmen. Der Baumniederholer sollte beim achterlichen Masttrimm nicht zu sehr dicht genommen werden, weil man sonst wiederum das Achterliek schließt.
Wichtiger Nebeneffekt: Bei dicht geholtem Achterstag (Masttrimm nach achtern) bringt man auch erheblich mehr Spannung auf das Vorstag! Die Wind-Anschnittkante des Vorsegels wird gerader — „schärfer“ — und man läuft mehr Höhe. Dies gilt bei Am-Wind-Kursen und bei etwas frischerer Brise. Bei wenig Wind ist Höhekneifen nur mit viel Geschwindigkeitsverlust verbunden. Dann sollte man lieber etwas abfallen und den Mast etwas gerader stellen (auch auf Am-Wind-Kursen), damit das Groß bauchiger wird, das Vorstag etwas durchhängt und damit das Vorsegel auch etwas mehr Bauch bekommt für mehr PS.
Auf raumen Kursen sollte man das Achterstag relativ locker fahren, bis der Mast nur noch eine geringe Krümmung nach achtern hat. Damit schließt man wieder das Achterliek und man bekommt ein bauchiges Segel. Außerdem muss der Baumniederholer auf raumen Kursen dicht gefahren werden, um ein Steigen des Baumes und damit ein Öffnen des Achterlieks zu vermeiden. Dieser Trimm führt zu besserem Vortrieb und vor allem vermeidet oder mindert man damit erheblich das unangenehme und ggf. gefährliche Geigen des Schiffes. Das Vorsegel wird bei diesem Trimm zusätzlich bauchiger, weil das Vorstag leicht durchhängt.
Folgendes ist unbedingt zu beachten:
Das Fockfall soll im entspannten Zustand des Mastes nicht zu stark durchgesetzt sein! Es kommt sonst beim Trimm des Mastes nach achtern die ganze, enorm große Last auf das Fockfall und nicht auf das Vorstag. Die Lager der Rollfockanlage halten das auf Dauer nicht aus und der Trimm ist außerdem schlecht. Bei solchen Fehlern bilden sich oft senkrechte Falten im Bereich des Vorlieks und der Bauch des Vorsegels wandert ggf. nach achtern, wo er nicht hingehört.
Es gibt einen einfachen Trick für alle Situationen, um das Fockfall richtig gespannt zu haben, quasi für den „All-Round-Hausgebrauch“ . Es ist ganz einfach:
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Vor dem ersten Auslaufen Fockfall lösen und ein Stück fieren. Dann Klemme fest.
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Anschließend mit Hilfe des Achterstags eine ziemliche Spannung auf den Mast bringen. Sie haben jetzt eine starke Mastbiegung nach achtern.
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Jetzt Fockfall kräftig durchsetzen und belegen.
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Als nächstes den Mast wieder so entspannen, wie man es im Hafen immer tun soll.
Noch mal in Kürze, ". . . was mache ich wann?"
Masttrimm beim Segeln:
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Bei raumen Kursen: Achterstag entspannt fahren, Baumniederholer dicht, = bauchige Segel und geschlossene Achterlieken.
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Bei Am-Wind-Kursen und wenig Wind: Mast entspannt bis leicht gespannt fahren = bauchige Segel und mehr PS. Höhe kneifen zwecklos.
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Bei Am-Wind-Kursen und mittleren Winden: Achterstag auf mittlere bis starke Spannung bringen = flachere Segel, schärfere Anschnittkante beim Vorsegel, mehr Höhe.
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Bei Am-Wind-Kursen mit starkem Wind: Achterstag weiter durchsetzen, ggf. bis Maximalspannung = flache Segel, weniger Krängung, mehr Höhe und späterer Reffpunkt.
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Bei Halb-Wind-Kursen: Masttrimm ist primär abhängig von der Windstärke, d.h.:
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Halb-Wind-Kurs mit viel Wind: Mast nach achtern = flache Segel, weniger Krängung = später reffen.
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Halb-Wind-Kurs mit wenig Wind: Mast gerade = bauchige Segel, mehr PS.
Achtung! Eine Veränderung der Mastbiegung wirkt sich nicht nur auf das Groß aus , sondern auch immer auf den Stand des Vorsegels. Hier muss dann mit Schot und mit der Verstellung des Schot-Holepunktes in der Regel nachgetrimmt werden. Beim Öffnen der Achterlieken durch Trimmen des Mastes oder Verstellen des Schot-Holepunktes soll man ein ggf. auftretendes Flattern in der Kante des Achterlieks mit den Liek-Bändseln im Achterliek unterbinden.
Natürlich gibt es noch etliche weitere Timmöglichkeiten mit Traveller, Schot-Holepunkt, Baumniederholer, U-Liek-Strecker etc. — aber das unterscheidet sich nicht von Schiffen mit Hochtakelung.
Wir hoffen, Ihnen mit diesen kleinen „Faustregeln für den Hausgebrauch“ etwas Service geboten zu haben. Wir wünschen einen angenehmen Törn.
Ihr Eignerpaar,
Anna & Reinhard
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